Weniger, als man denkt. Für Sicherungssysteme für Hunde gibt es keine verpflichtende Prüfnorm. Wer testet, testet nach eigenen Regeln. Wo unabhängig geprüft wurde, fiel die Mehrheit durch.
Die Behauptung
Autositze, Transportboxen, Sicherungsgeschirre und Rücksitzbarrieren werden mit „crashgetestet“, „crashsicher“ oder „getestet bei 50 km/h“ beworben. Der Begriff klingt nach bestandener Prüfung, so wie man ihn von Kindersitzen kennt, wo eine Zulassung nach ECE-Norm Pflicht ist.
Für Hunde gilt das nicht. In Deutschland zählt ein Hund im Auto als Ladung und muss gegen Verrutschen, Umfallen und Herabfallen gesichert sein. Wie diese Sicherung beschaffen sein muss, schreibt niemand vor. Der ADAC beziffert das Bußgeld bei fehlender Sicherung auf 35 bis 75 Euro, mit Zuschlag bei Gefährdung oder Unfall.
Was hinter dem Begriff steckt
Eine verpflichtende Prüfnorm für Hundesicherungssysteme existiert nicht. Nach Darstellung des ADAC brauchen von allen gängigen Systemen ausschließlich Trenngitter eine offizielle Zulassung. Für Boxen, Geschirre, Sitze und Körbe gibt es keine vorgeschriebene Prüfung.
„Crashgetestet“ ist deshalb keine Zertifizierung, sondern eine Eigenaussage. Sie sagt nicht, bei welcher Geschwindigkeit geprüft wurde, mit welchem Hundegewicht, in welcher Einbaulage, mit welchem Bestehenskriterium und ob überhaupt jemand Unabhängiges zugesehen hat. Zwei Produkte mit demselben Wort auf der Verpackung können völlig unterschiedlich geprüft worden sein.
Was es gibt, sind angrenzende Normen aus der Ladungssicherung, etwa DIN 75410-2. Der ADAC empfiehlt, auf solche Prüfungen zu achten. Sie sind aber nicht für Tiere gemacht und decken den Fall nicht vollständig ab.
Die Evidenz
Unabhängige Crashtests gibt es. Ihr Ergebnis ist der eigentliche Punkt.
Center for Pet Safety, Geschirre, 2013. Aus elf Marken wurden sieben für standardisierte Aufpralltests bei 30 Meilen pro Stunde, rund 48 km/h, ausgewählt. Ein einziges Modell bestand durchgehend. Bei den übrigen kam es zu Versagen, das im Ernstfall zu schweren Verletzungen geführt hätte.
Center for Pet Safety, Boxen und Taschen, 2015. Bei den Transportboxen hielt eine Box samt Verankerung dem Test stand. Bei den Tragetaschen erfüllten zwei die Kriterien. Die übrigen lösten sich von der Verankerung oder hielten den Dummy nicht im Inneren.
ADAC. In den Tests des Clubs schnitten stabile Boxen im Fußraum hinter dem Vordersitz gut ab, Metallboxen besser als solche aus Kunststoff. Sogenannte Sicherungsröhren erwiesen sich als „absolut ungeeignet“: Der Hund schlug darin hart gegen die Türverkleidung. Hundekörbchen ohne zusätzliches System schleuderten den Hund beim Ausweichmanöver heraus. Rücksitzbarrieren hielten beim Bremsen, versagten beim Ausweichen und behinderten anschließend die Rettungskräfte. Gurtsysteme schnitten gut ab, aber nur bei richtiger Größe und fester Anbindung.
Der Schweizer Touring Club kam bei Boxen zu einem ähnlichen Bild: Nur Metallboxen erreichten die besten Bewertungen.
Zwei Einschränkungen. Die Testreihen des Center for Pet Safety stammen von 2013 und 2015; welche Produkte heute im Handel sind und wie sie abschneiden würden, sagen sie nicht. Und alle genannten Tests prüfen Stichproben, keine Marktübersicht.
Das Urteil
Not supportedDie Aussage „crashgetestet“ belegt für sich genommen keine Sicherheit. Es gibt keine verbindliche Norm, auf die sie sich beziehen könnte, und dort, wo unabhängig geprüft wurde, fiel die deutliche Mehrheit der geprüften Produkte durch.
Das heißt nicht, dass Sicherung im Auto sinnlos wäre. Das Gegenteil ist belegt: Ungesicherte Hunde werden schon beim Ausweichen aus Körben geschleudert, und einzelne Systeme haben Aufpralltests bestanden. Sicherheit hängt aber am konkreten Produkt, an der richtigen Größe und an der festen Verankerung, nicht am Wort auf der Verpackung.
Praktisch heißt das: nach dem Prüfbericht fragen statt nach dem Etikett. Wer geprüft hat, bei welcher Geschwindigkeit, mit welchem Gewicht. Wer darauf keine Antwort gibt, hat vermutlich keine.
Vorgehen: Herangezogen wurden unabhängige Prüforganisationen und deren veröffentlichte Testreihen. Herstellerangaben dienten nur dazu, die geprüfte Behauptung zu belegen, nicht als Nachweis. Einzelne Produkte, die in den Tests versagt haben, werden hier nicht namentlich genannt; maßgeblich ist das Verhältnis von geprüften zu bestandenen Produkten. Die Tests stammen aus den Jahren 2013 bis 2015 sowie aus laufenden ADAC-Untersuchungen und bilden Stichproben ab, keinen vollständigen Markt. Stand: August 2026.
Transparenz: Helo Atelier verkauft keine Autositze, Boxen oder Sicherungssysteme. Sollten unter diesem Beitrag Empfehlungen stehen, sind sie als Werbung gekennzeichnet und hatten keinen Einfluss auf Quellenauswahl oder Urteil.