Die Werbung beruft sich auf Endorphine und das Nervensystem und nennt dafür Studien. Diese Studien ließen sich nicht auffinden. Die eine belastbare Arbeit, die es gibt, handelt von etwas anderem.
Die Behauptung
Schleckmatten werden mit Aufstrich bestrichen und sollen den Hund beim Lecken beruhigen. Beworben werden sie gegen Stress, Unruhe, Trennungsangst und beim Tierarztbesuch. Die Begründung ist überall dieselbe: Lecken setze Endorphine frei, senke Cortisol und aktiviere den Parasympathikus, also den Teil des Nervensystems, der für Ruhe und Verdauung zuständig ist.
Anders als bei den meisten Versprechen im Hundezubehör wird hier ausdrücklich auf Forschung verwiesen. In Produkttexten und Ratgeberartikeln tauchen wiederholt zwei Belege auf: eine Arbeit von Bennett und Kollegen aus dem Jahr 2017 und Untersuchungen einer australischen Universität zum Parasympathikus.
Die zitierten Belege
Beide ließen sich nicht auffinden. Weder die genannte Arbeit von 2017 noch die zugeschriebene universitäre Untersuchung erscheinen in der wissenschaftlichen Literatur. Auffindbar sind sie ausschließlich in Shop-Texten und Ratgeberbeiträgen, die einander zitieren.
Das ist kein Beweis, dass es sie nicht gibt. Es heißt, dass eine Behauptung mit dem Anschein von Forschung verkauft wird, ohne dass die Forschung überprüfbar wäre. Dasselbe Muster wie bei den Kennzahlen, mit denen beschichtete Gurtbänder beworben werden.
Was tatsächlich belegt ist
Quinn und Kollegen, 2025, Frontiers in Veterinary Science. Ein Übersichtsartikel zur Bedeutung des Kauens für Hunde. Das Ergebnis stützt die Grundidee, aber für eine andere Tätigkeit: Kauen senkt die Aktivierung der Stressachse, und Hunde, die nach einer Stresssituation kauten, schnitten in Gedächtnisaufgaben besser ab. Die Autoren halten Kauen für einen notwendigen Bestandteil des Hundealltags.
Entscheidend ist, dass diese Arbeit Kauen und Lecken ausdrücklich auseinanderhält. Beide unterliegen unterschiedlicher Steuerung durch das vegetative Nervensystem und haben unterschiedliche Bewegungsmuster. Die belegte Wirkung betrifft das Kauen, nicht das Lecken.
Zum Lecken hält dieselbe Arbeit etwas fest, das der Werbeaussage entgegensteht: Lippenlecken gilt, wenn es unabhängig von Kauen und Fressen auftritt, als Übersprungverhalten und damit als Zeichen von Anspannung, nicht als deren Auflösung.
Hier ist Genauigkeit nötig. Ein Hund, der Futter von einer Matte leckt, frisst. Das ist nicht dasselbe wie das Lippenlecken, das Verhaltensforscher als Stresszeichen deuten. Aus dieser Stelle folgt also nicht, dass Schleckmatten Stress erzeugen. Sie entzieht aber der einfachen Gleichung, Lecken sei an sich beruhigend, die Grundlage.
Eine Studie, die Schleckmatten selbst untersucht, ließ sich nicht finden.
Das Urteil
UnclearOb Schleckmatten beruhigen, ist offen. Es liegt keine Untersuchung dazu vor. Die Begründung, mit der sie verkauft werden, stützt sich auf Belege, die sich nicht auffinden lassen, und überträgt Befunde zum Kauen auf das Lecken, obwohl die Fachliteratur beides trennt.
Unclear heißt ausdrücklich nicht, dass sie nicht wirken. Beschäftigung mit Futter verlangsamt das Fressen, gibt dem Hund eine Aufgabe und ist unstrittig besser als ein leerer Napf und Langeweile. Für den Alltag kann das genügen. Belegt ist die beworbene beruhigende Wirkung damit aber nicht.
Bei einem Hund mit tatsächlicher Trennungsangst ist das mehr als eine akademische Frage. Dort ersetzt eine Matte keine Verhaltenstherapie, und wer sie als Behandlung verkauft, verkauft etwas Unbelegtes.
Vorgehen: Gesucht wurde nach Untersuchungen zu Schleckmatten sowie nach den beiden Belegen, die in Produkttexten wiederholt genannt werden. Beide waren in der wissenschaftlichen Literatur nicht auffindbar; dass sie nicht existieren, ist damit nicht bewiesen. Herangezogen wurde stattdessen die nächstgelegene peer-reviewte Arbeit. Kein einzelnes Produkt wird bewertet. Dieser Beitrag ersetzt keine verhaltenstherapeutische oder tierärztliche Beratung. Stand: August 2026.
Transparenz: Helo Atelier verkauft keine Beschäftigungsprodukte. Sollten unter diesem Beitrag Empfehlungen stehen, sind sie als Werbung gekennzeichnet und hatten keinen Einfluss auf Quellenauswahl oder Urteil.